Unter Hochdruck
Versorgungsunternehmen sehen sich seit Jahren einem stetig steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die zunehmende Privatisierung erhöht den Wettbewerbsdruck und sorgt dafür, dass die Preise in vielen Bereichen fallen. Der Gesetzgeber hat durch Maßnahmen zur Öffnung der Strom- und Gasmärkte auch Zwänge zur Reorganisation geschaffen, bspw. durch das Unbundling, bei dem die Bereiche zur Erzeugung und Verteilung getrennt werden müssen. Strategische Themen und Herausforderungen dieser Branche sind der Umweltschutz (vom Erneuerbare Energien Gesetz bis zur den Recyclingverordnungen) und die Versorgungssicherheit, die sich beginnend um Ausbau der Netze bis zur politischen Ausgestaltung der Versorgungssicherheit bspw. im Gasmarkt drehen.
Wie die Anbieter in diesem Spannungsfeld operieren und wie sich die Auswirkungen auf bestehende und zukünftige IT-Landschaften auswirken, ist Gegenstand der Studie.
Regulierung erzeugt Handlungsdruck
Die Unternehmen der Versorgungsbranche unterliegen seit Jahren strengen gesetzlichen Regelungen zur Vereinheitlichung notwendiger Geschäftsprozesse. Es wurde untersucht, inwieweit die Unternehmen die für sie geltenden gesetzlichen Anforderungen heute schon umgesetzt haben, bzw. welche weiteren Planungen zur Umsetzung vorliegen.
Die Regelungen GPKE ( Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität) bzw. GeLi Gas (Geschäftsprozesse Lieferantenwechsel Gas), GaBi Gas (Grundregeln der Ausgleichs- und Bilanzierungsregeln im Gassektor) sowie G685 (Regeln zur Gasabrechnung) sind bereits weitgehend IT-seitig realisiert. Diese Regelungen sind bereits gesetzlich in Kraft getreten. Dennoch ist verwunderlich, dass ein kleiner Teil angab, diese noch gar nicht realisiert zu haben.
Wichtigster Treiber für IT-Projekte ist weiterhin die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben für Versorgungsunternehmen, insgesamt 42% der Unternehmen planen in 2011 ein IT-Projekt. Im Wesentlichen in den Bereichen MaBiS (Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom) sowie WiM (Wechselprozesse im Messwesen) dessen Regelungen 2011 in Kraft treten.
Dennoch genießen auch die anderen Regulierungsfelder im kommenden Jahr noch in vielen Unternehmen eine hohe Aufmerksamkeit in den Unternehmen, vor allem im Hinblick auf die Optimierung von Prozessen und IT nach der Trennung von Netz und Lieferant.
Der Kunde steht in Zentrum – immer!
In den Standard-IT-Applikationsgebieten der Versorgungswirtschaft wie der Finanzwirtschaft und dem Massenkontokorent sind kaum mehr Investitionen zu beobachten. Hier kommt es nur noch selten zu Wechseln des ERP-Systems, da diese eine gewachsene Infrastruktur für die Unternehmen darstellen. Ein Großteil des Marktes wird von SAP, Schleupen, Microsoft und SIV besetzt.
Wesentlich höhere Investitionsbereitschaft ist in eher neuen Applikationsgebieten wie dem Portfoliomanagement (8% Neuinvestitionen), CRM (8% Neuinvestitionen) und mit Abstrichen DMS (6% Neuinvestitionen) zu finden. Letzterer Bereich nähert sich durch die hohen Investitionsquoten der vergangenen Jahre schnell einer Abdeckung des gesamten Marktes. Wesentlicher Treiber für DMS-Projekte ist immer noch die Automatisierung des Backoffice, wie Projektplanungen im Bereich des Posteingangs (7%) und der Rechnungsprüfung zeigen (4%), aber auch Collaboration- und Workflow-Projekte sind für 2011 geplant.
Die Deregulierung des Marktes hat den Effekt, dass sich die Unternehmen vermehrt dem Wettbewerb um Kunden stellen müssen. Dies äußert sich neben den kommunizierten Planungen auch in den Prioritäten der Unternehmen. So haben heute Projekte zum Portfoliomanagement und Customer Relationship Management in vielen Unternehmen eine hohere Priorität im Vergleich zur Umsetzung des Unbundlings.